Kniffe wissen

künstlerisches Vermittlungsprojekt | 2012


Ein Kniff ist ein spezifisches Wissen (Können), welches einem die Ausführung einer bestimmten Tätigkeit erleichtert. Im künstlerischen Vermittlungsprojekt Kniffe wissen setzen sich unterschiedliche Gruppen mit der Thematik des Kniffs auseinander. Das Projekt reflektiert den Kniff als Form von inoffiziellem, verborgenem Wissen, welches meistens von Person zu Person weitergegeben wird. Jede und jeder kennt Kniffe, wobei das Wissen um die Kniffe stets bei den Menschen selbst liegt, die sie anwenden - mal mehr, mal weniger bewusst.

In dieses Projekt fliessen die Sichtweisen, Erfahrungen und das Wissen von Menschen unterschiedlichen Alters ein. Die Annäherung an das Wesen des Kniffes, die Frage nach Wissensformen und seiner Weitergabe spielen dabei eine wichtige Rolle. Einen Kniff zu wissen – respektive einen neuen zu erlernen – bedeutet eine Bereicherung, denn er erleichtert einem oftmals das Ausführen einer Tätigkeit oder kann darüber hinaus gar bis anhin Unerreichbares ermöglichen.

Einzelne Videosequenz von Kniffe wissen

Einzelne Videosequenz von Kniffe wissen


«Aber deu hei äbe no so Charte im Ärmu und wächsle si de schnäll, as’s öppert nid gseht.» [Betrügen beim Jassen, ohne dass es jemand merkt.]

«Nid das z’usserscht, sondern das z’innerscht. Es duet weniger hürsche.» [Stricken, ohne ein Genusch zu machen mit dem Garn.]

«Und nächhär mit em Fingernagu so chli, wes ufzoge het, oder em Papier, we dr s’Dings usgmacht hesch, e chli so drüber, de isch’s wieder fiin gsi.» [Tintenfleck vom Papier entfernen.]

«Eifach anes Lümppli mache und s’ druf tupfe, nid riibe.» [Essensflecken von Kleider entfernen.]

«Öppe so Stückli gschnitte und nächhär het me das gfüllt, het me öppe d’Fläsche chli gschüttlet, dass no meh abe goht.» [Rhabarber einmachen.]

«Zerscht dur s’grobe Schmiergelpapier, dört e paar mol drischniide und zwar bis au dr Spitz drinne isch.» [Schere schleifen.]

Im Detail:

Beteiligung
Kniffe wissen versteht sich als künstlerisches Vermittlungsprojekt unter Beteiligung von verschiedenen Gruppen. Dabei handelt es sich um eine Schulklasse, Gruppen von Seniorinnen/ Senioren (unter anderem der ‹Grauen Panther› Solothurn), eine Gruppe eines Jugendtreffpunkts und Bewohnerinnen von zwei Solothurner Altersheimen. Vermittlungsprojekt, weil zu einer Auseinandersetzung mit der Thematik des Kniffs angeregt wird. Weil sich alle Beteiligten des Projektes gegenseitig Handlungsmöglichkeiten vermitteln und darüber hinaus die Kniffe der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zudem haben Kniffe stets auch mit Kunst zu tun, denn oftmals handelt es sich bei Kniffen um alternative, unkonventionelle Wege, eine Tätigkeit auszuführen. Im Vermittlungsprozess von Kniffe wissen geht es nicht in erster Linie darum, Wissen weiterzugeben, sondern dass das Wissen der Beteiligten zusammenkommt und neues entstehen kann.

Ausgestellt

Vom 26. – 29. September 2012 wurde an der Dornacherstrasse 25 in Solothurn das während dem Projekt Kniffe wissen Erarbeitete der Öffentlichkeit gezeigt.
Die Kniffe der Beteiligten sind in unterschiedlichen Formen festgehalten. Diese stehen in Zusammenhang mit den Abläufen und Rahmenbedingungen der jeweiligen Gruppen-Treffen. Auf dem einen Monitor sind Videoaufnahmen der Kniffen von den SeniorInnen und den Mädchen aus dem Mädchentreff zu sehen. Der dazugehörige Ton ist über Kopfhörer zu hören. Auf dem anderen Monitor befinden sich ebenfalls Kniffe–Videoaufnahmen. In diesen präsentieren die Schülerinnen und Schüler der Schulklasse 1aW ihre eigenhändig auf Video aufgenommenen Kniffe. Auch hier läuft der Ton über Kopfhörer. Zudem sind an den Wänden die Kniffe–Beschreibungen der Altersheim–Bewohnerinnen und der SeniorInnen in Form von Text platziert. Es handelt sich dabei um Transkriptionen von Tonaufnahmen. Neben den eigentlichen Kniffen wird auch die Ebene der Auseinandersetzung, die über das Zusammentragen von Kniffen in der Gruppe entsteht, sichtbar gemacht. So sind, ebenfalls auf Texttafeln, Transkriptionen von den im Verlauf des Projektes entstandenen Gesprächen zu lesen. Es sind dies Gesprächsrunden rund um die Frage nach den verschiedenen Verständnissen von Kniff, um die Thematisierung eines möglichen Kniffe–Nachschlageortes und um die Frage nach Wissensformen, dem Wissen an sich und seiner Weitergabe.

Parallel zu der Arbeit mit den Gruppen entsteht im Sinne einer Recherche ein Hörstück, welches unterschiedliche Verständnisse vom Begriff Kniff beinhaltet. Dieses Hörstück ensteht ebenfalls unter Beteiligung, wobei es sich in diesem Falle jedoch um Freunde, Bekannte und Verwandte von mir handelt. Diesen wird die Frage «Was verstehst du unter einem Kniff, fällt dir dazu ein Beispiel ein?» gestellt. Dieses Hörstück wird in einer Toninstallation präsentiert.